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Das Territorium in Gemälden vom 15. bis zum 19. Jahrhundert

Der neue und durch Erwerbungen, Leihgaben und Lagerbestände bereicherte Museumsparcours erläutert die Entwicklung der bildenden Kunst im Gardaseegebiet im Laufe der Jahrhunderte und geht dabei auf die besonderen Merkmale ein, die den unterschiedlichen Einflüssen in diesem Grenzland zuzuschreiben sind.

Assorti nel paesaggio, entrata, 2016   Von der Gotik, die mit den wertvollen Fresken aus dem Rathaus von Riva del Garda und mit der eindrucksvollen Ädikula von Rigino di Enrico vertreten ist, geht es zur Renaissance, in der Nicolò d’Arco in Arco und Bernardo Clesio in der Wasserburg von Riva glänzend Hof hielten und neben dem geheimnisvollen Monogrammisten FV (bekundet 1530-1532) der Bildhauer Maffeo Olivieri (1484-1543) tätig war. Von der Unruhe der Gegenreform zeugt das große Gemälde Allegorie der triumphierenden Kirche von Elia Naurizio (1598-1657), während im Barock in Riva del Garda einer der bedeutendsten italienischen Seicento-Künstler wirkte, der aus Lucca kommende Pietro Ricchi, der die Inviolata-Wallfahrtskirche mit Malereien ausschmückte.
     
Pinacoteca Pietà e Monogrammista FV 1   Monogrammista FV
Vom sogenannten Monogrammisten FV – nach den Initialen, mit denen er seine Werke kennzeichnete – sind nur drei signierte und datierte Werke bekannt, die sich alle im Basso Trentino befinden:
Adorazione dei pastori (Anbetung der Hirten, 1530) und Compianto sul Cristo morto (Trauer um den toten Christus, 1531), beide aus der Chiesa della Disciplina in Riva del Garda, und die Madonna e Santi (Maria und Heilige, 1532), die für den Hauptaltar der Kirche Sant’Antonio Abate in Ville del Monte in Auftrag gegeben worden war. Sicherlich stammt von ihm auch das Altarbild der Kirche San Rocco in Caneve mit der Darstellung des heiligen Vigilius auf dem Thron sowie der heiligen Hieronymus und Antonius Abt.
Dieser charaktervolle Künstler ist einer der bedeutendsten in der Gegend von Riva in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
     
Pinacoteca Pietro Ricchi 2   Pietro Ricchi
Pietro Ricchi (1606–1675), ein vielseitiger, faszinierender Künstler, war Schüler von Domenico Passignano und Guido Reni. Er reiste viel und sammelte zu seiner künstlerischen Ausbildung verschiedenste Erfahrungen. Zudem kam er mit den wichtigsten malerischen Strömungen Norditaliens der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Kontakt. Sein erster Aufenthalt in der Lombardei brachte ihm die Malerei von Morazzone, Cerano, Procaccini und Crespi näher, während er in Venetien Gelegenheit hatte, Sebastiano Mazzoni und vor allem die Strömung der „Tenebrosi“ und die von diesen durchgeführten luministischen Studien kennenzulernen. In seiner frühen Schaffenszeit lebte er kurz in Frankreich, was die außergewöhnlichen, für die Schule jenseits der Alpen typischen Farbeffekte erklären würde, die auf vielen seiner Gemälde zu sehen sind.
Er arbeitete auch im Trentino und hinterließ eines seiner Meisterwerke mit der Ausschmückung der Kirche dell’Inviolata (1644) sowie eine Reihe bedeutender Aufträge, darunter das verloren gegangene Altarbild des Hauptaltars der Pfarrkirche Riva del Garda.
Das Werk Ultima Cena (Abendmahl), das für das Refektorium des Klosters dell’Inviolata um das Jahr 1645 gefertigt wurde, ist ein herrliches Beispiel für die Stilrichtung des Luminismus, in der das nächtliche Umfeld durch aus verschiedenen Quellen strahlende Lichter belebt wird, die die gewagten farblichen Zusammenstellungen der Gewänder der Apostel hervorheben und die Gesichter so erleuchten, dass jedes einen anderen Ausdruck bekommt.
Der Rundgang durch die Pinakothek wird durch weitere Meisterwerke von Ricchi angereichert, wie Angelo custode (Schutzengel), das um 1655 datiert werden kann, die vier kleinen Gemälde mit der Darstellung des Martyriums der heiligen Agnes aus der späten Schaffenszeit des Malers sowie das Gemälde mit Kleopatra. Zeugnisse der umfassenden Produktion von Werken mit Themen aus der Antike oder der Bibel, die für einen privaten Auftraggeber angefertigt wurden.

Der Klassizismus ist in der Pinakothek durch die Werke des namhaftesten Trentiner Künstlers dieser Zeit vertreten, des aus Riva stammenden Giuseppe Craffonara (1790-1837), während der Dichter Andrea Maffei (1798-1885) in der Romantik eine wertvolle Kunstsammlung zusammenstellte, zu der bedeutsame Werke von Francesco Hayez, Vincenzo Vela und Giuseppe Canella gehörten, die heute in der Pinakothek zu bewundern sind.

Pinacoteca Craffonara
 
  Giuseppe Craffonara
Dieser bedeutendste Vertreter des Trentiner Klassizismus begann seine künstlerische Laufbahn in Verona, wo er sich mit großem Eifer dem Studium der großen Meister wie Raffael und Paolo Veronese widmete, um sich anschließend nach Rom zu begeben. Hier besuchte er Kurse an der Accademia di San Luca und der Scuola del Nudo und führte vorwiegend Kopien für die ausländischen Reisenden aus, die angesichts des Mangels an authentischen Werken der Klassik zunehmend auf Nachahmungen zurückgriffen. Craffonara kam zwar mit der künstlerischen Avantgarde der Nazarener in Berührung, blieb aber dem von Antonio Canova und Vincenzo Vela geprägten klassizistischen Formalismus treu. Während der in Rom verbrachten Jahre lernte er den Philosophen Antonio Rosmini kennen, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband.
Die Berufung zum Leiter der Prager Kunstakademie, die er aus gesundheitlichen Gründen ablehnen musste, ist ein Beweis für das große Ansehen, das er im Kunstambiente des k.k. Kaiserreichs genoss.
Unter den hier ausgestellten Werken befinden sich auch mehrere Zeichnungen mit Aktstudien, die aus der Sammlung des Castello del Buonconsiglio. Monumenti e Collezioni provinciali stammen. Sie können als erste Zeugnisse des künstlerischen Werdegangs Craffonaras an der Scuola di Nudo in Roma angesehen werden.
Aus der Wohnung des Malers in der Via Florida in Riva stammt das Gemälde Josephs Tod, das er kurz vor seinem Tod an der Decke seines Zimmers ausgeführt hatte. Die Arbeit, die im Zuge des Umbaus des bei Bombenangriffen im Ersten Weltkrieg schwer beschädigten Bauwerks abgelöst und auf Leinwand übertragen worden war, wurde dem Museum von der Familie Bettinazzi, den derzeitigen Besitzern, vermacht.
Dem Maler Giuseppe Craffonara ist der vor der Pfarrkirche gelegene, vom Architekten Giancarlo Maroni entworfene und 1930 eingeweihte Platz gewidmet, auf dem sich auch die von Francesco Trentini aus Lasino geschaffene Büste des Künstlers befindet.
     
Pinacoteca Hayez 4
 
  Das 19. Jahrhundert in Riva del Garda
Das kulturelle Leben in Riva del Garda erlebt im 19. Jahrhundert einen erstaunlichen Aufschwung, der vor allem dem Trentiner Literaten Andrea Maffei (1798-1885) zu verdanken ist, einem Übersetzer, Kritiker und Kunstsammler von außergewöhnlichem Format, dessen Ruf weit über die engen Landesgrenzen hinausging und der europäisches Flair in die Stadt brachte. Er förderte die Abkehr von den didaktischen Schemata der historischen Malerei und der verherrlichenden Bildhauerei und somit das Entstehen von Meisterwerken von Francesco Hayez und Vincenzo Vela.
Er hatte in Mailand einen literarischen Salon ins Leben gerufen, der von den namhaftesten Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit besucht wurde. Im Jahr 1851 mietete er eine Wohnung in Riva del Garda und nahm enge Beziehungen zur Familie de Lutti auf, der er seine reiche Kunstsammlung „… aus mehr als 140 Ölgemälden” vermachte, „von denen viele für ihr Alter und ihren Autor berühmt sind, alle aber großen Wert haben…”. Aus dieser Kollektion stammen die hier ausgestellten Gemälde, wie das Porträt von Andrea Maffei von Michele Gordigiani (1830-1903), die Schmerzensmutter und das Porträt von Clara Maffei von Francesco Hayez (1791-1882), die Ansicht von Riva del Garda von Ambrogio Fermini (1811-1883) und die Familie de Lutti von Luigi Sacco, sowie die Skulptur Betende von Vincenzo Vela (1820-1891).
Andrea Maffei liegt auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin in der Privatkapelle der Villa de Lutti begraben, einem reizvollen Bauwerk aus der Zeit des Risorgimento; es war im Auftrag von Vincenzo de Lutti, dem Vater der Dichterin Francesca de Lutti, vom Architekten Antonio Negrin Caregaro (1821-1918) errichtet worden.

     
Pinacoteca paesaggio 3   Der Landschaft
Beträchtlicher Raum wird der Darstellung der Gardaseelandschaft gewidmet: auf Landkarten, besonders aber auf faszinierenden Zeichnungen und Gemälden, an denen man die Entwicklung des Gardaseebildes von der analytischen Beschreibung im 18. Jahrhundert bis zur ganz und gar romantisch geprägten Interpretation des Sees und seiner Umgebung nachvollziehen kann.
Im 19. Jahrhundert findet die Landschaftsmalerei weite Verbreitung. Sie gibt den Künstlern Gelegenheit, Gefühle, Leidenschaften und Emotionen auszudrücken und – wie vor einer Kulisse – Szenen wiederzugeben, zu denen sie vom schönen Ambiente angeregt werden. Eine besondere Rolle spielen dabei die oberitalienischen Seen mit ihren faszinierenden Landschaftsbildern und Panoramen, die von den Malern in wahre Meisterwerke der Romantik umgesetzt werden.
Zu den beliebtesten Sujets dieser Zeit gehörten Gardaseeveduten. Die Künstler entsprachen damit auch einer immer größeren Nachfrage seitens ausländischer und italienischer Reisender, die eine Erinnerung an die besuchten Landschaften mit nach Hause nehmen wollten.
Viele Maler spezialisierten sich daher auf realistisch ausgeführte Seelandschaften. Doch bei aller deskriptiver Treue waren diese Gemälde doch stark idealisiert, um ihnen stärkere und nachhaltigere Eindruckskraft zu verleihen.
Oft finden wir besonders im Vordergrund detaillierte, rein zur Evokation geschaffene Darstellungen von Hafenszenen und bäuerlichem Leben oder konventionelle Genrebilder volkstümlichen Treibens.
Auch die bis Ende des 18. Jahrhunderts kaum verbreiteten Stiche mit Landschaftsbildern greifen von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an immer stärker um sich, da sie auch zur Illustration der in ganz Europa kursierenden Reiseführer benutzt wurden, die häufig durch Abbildungen der beschriebenen Ortschaften und Stätten bebildert wurden. Gerade Riva del Garda wird während des ganzen 19. Jahrhunderts auf vielen Kupferstichen und Lithografien wiedergegeben. Besonders beliebt ist die panoramische Vedute von Süden her, die nicht nur einen guten Eindruck von der um den Hafen gescharten Altstadt vermittelt, sondern auch die umliegende Landschaft mit einbezieht.