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Rundgang Archäologische Sektion

Der erste Saal ist den ältesten Zeugnissen der menschlichen Existenz gewidmet, wie die imposanten Stelenstatuen zeigen.
In der ersten Vitrine rechts kann eine kleine Tonvase im Serra d’Alto - Stil betrachtet werden. Der Fund wurde in der Nähe gemacht, im Unterlauf des Flusses Sarca, wurde allerdings in Mittelitalien hergestellt und beweist damit die weitreichenden Beziehungen, die bereits im Neolithikum zwischen den verschiedenen Kulturen herrschten, selbst auf lokaler Ebene.
In den Vitrinen, die entlang der Mauer aufgestellt sind, befi nden sich handgemachte Objekte in gehauenem Feuerstein, die zum Teil auf 1.100-1.500 Metern Höhe auf dem Monte Baldo gefunden wurde. Zu jener Zeit lagen nämlich die tieferen Gegenden unter einer dicken Eisschicht. Einige Funde reichen in das mittlere Paläolithikum (120.000-33.000 n. C.) zurück, einige ins Hochpaläolithikum oder ins Mesolithikum und sind von Neandertalern hergestellt worden, die, um überleben zu können, häufi g ihre Standorte wechseln mussten, lebten sie doch von der Jagd und den natürlichen Ressourcen ihres Umfeldes.
Als vor etwa 18.000 Jahren das Klima angenehmer wurde, entdeckten die Jäger des Hochpaläolithikums und des Mesolithikums die Berge: Spuren ihres Wanderlebens finden sich in der Nähe alpiner Bergseen und an Pässen.
Etwa im 9. Jahrtausend v. C. begann das milde Klima, die Landschaft schrittweise zu verändern und ihr ihre heutige Form zu verleihen. Dadurch wurden die Wohnorte der Menschengruppen im Mesolithikum schließlich stabiler und waren nun vorwiegend unter Schutz bietenden Felsvorsprüngen an den Hängen unweit der Talsohlen zu finden.

Der Mensch verändert sein Umfeld
Weiters finden sich Objekte aus dem Neolithikum. Zu jener Zeit stellten das Jagen und das Sammeln noch die beiden Grundpfeiler der Wirtschaft, allerdings sind Ackerbau und Viehzucht bereits in ihren Anfängen erkennbar. Darauf folgt eine steigende Tendenz zur Sesshaftigkeit sowie auch zu komplexeren Gesellschaftsstrukturen, da diese sich leichter behaupten können.
Viele der ausgestellten Funde dienten als Grabbeigaben und sind den Grabstrukturen des „a cista litica“-Typs zuzuordnen. In der Regel fi nden sich dort Äxte und Meißeln aus geschliffenem Stein, Pfeilspitzen aus Feuerstein, Keramikgefäße, Werkzeug aus Knochen sowie auch Schmuck, hier vor allem Teile einer Kette, deren Bestandteile aus einer Meeresmuschel (Spondylus) gewonnen wurden und damit wiederum die Bandbreite der damaligen Handelsbeziehungen aufzeigen. Einige Objekte wurden zum ausschließlichen Zweck der Bestattung in Miniatur angefertigt.

Statue stele

  Die Stelenstatuen
Die in Arco entdeckten Stelenstatuen gehen auf die Kupferzeit zurück, stammen also aus der Zeit zwischen dem Ende des IV. und dem III. Jahrtausend vor Christus.
Menschliche Gestalten darstellend weisen sie neben Informationen bezüglich der damals üblichen Bekleidung auch einige charakteristische Eisenzeitelemente auf. So z.B. die eingemeißelten Darstellungen von fl achen Äxten, dreieckigen Faustkeilen, Speeren und Verzierungen, welche durch ihren Symbolgehalt auf einen besonderen Status der dargestellten Figuren hinweisen.
Bedeutung und Funktion der Stelenstatuen sind schwer zu klären. Möglicherweise stellen sie real existierende Personen von hohem Range dar, aber auch die Abbildung von berühmten Ahnen zu deren Gedenken ist nicht auszuschließen. Eine dritte Deutungsvariante sieht in den Statuen Kultobjekte, die für die Verehrung der abgebildeten Gottheiten verwendet wurden.
     
Archeologia palafitte 1   Ein Leben auf dem Wasser
Der nächste Bereich der Führung ist den Pfahlbautensiedlungen von Molina di Ledro und von Fiavè Carera gewidmet, die sich im Laufe der Bronzezeit (2200-1000 v. C.) im Trentino entwickeln.
Die Vitrinen zeigen Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus Ton oder Metall sowie auch Prestigeobjekte wie Diademe, Perlen aus Bernstein und den so genannten „geheimnisvollen Täfelchen“ von Ledro.
Der Lebensstil der Bewohner dieser Siedlungen ist dank der reichen Funde gut dokumentiert. So wissen wir von der hoch entwickelten gesellschaftlichen Struktur in den Pfahlbautensiedlungen. Wirtschaftlich waren die Bewohner weitgehend autark, da es verschiedenstes Handwerk gab, das großteils in Heimarbeit ausgeführt wurde.
Die besonderen Fähigkeiten der bronzezeitlichen Zimmerleute sind an den komplexen Fundamenttypologien der Pfahlbauten ersichtlich, die in Fiavè entdeckt wurden und in der Rekonstruktion zu sehen sind.
     
Archeologia busa brodeghera 2   Der Mann aus der Busa Brodeghera: Jagdunfall oder Opferung?
Im nächsten Raum befi ndet sich die beeindruckende Rekonstruktion der Busa Brodeghera, die auf 1950 m Höhe auf dem Monte Altissimo entdeckt wurde. Es handelt sich dabei um eine etwa 70 m tiefe Spalte, in deren Abgrund das Skelett eines ca. 20-jährigen gefunden wurde. Die persönlichen Gegenstände des Toten lassen sich auf einen Zeitraum zwischen V. und IV Jh. vor Christus datieren. Der Mann hinkte und weist eine Verletzung am Kopf auf, die die Todesursache sein könnte. Zu seiner Ausrüstung gehört ebenfalls ein Messeretui, das dem auf Gefäßfragmenten aus Wenzelach (Österreich) dargestellten aufs Haar ähnelt. Die Gründe für den Tod des jungen Mannes sind nicht gänzlich geklärt. So ist es durchaus möglich, dass es sich um einen verunglückten Jäger handelt. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass der Tote in Verbindung mit kultischen Handlungen als Menschenopfer umgebracht wurde. Auch eine besondere Art der Bestattung wäre durchaus vorstellbar.


Kult um Wassergötter und Feuerriten

Die folgenden beiden Vitrinen zeigen Gegenstände, die wahrscheinlich als Votivgaben anzusehen sind. Links sehen wir Funde aus der späten Bronzezeit (1300-1100 v. C.), als im Gebiet rund um den Gardasee Produktionszentren für Metallobjekte entstehen. Die hier produzierten Objekte wurden in ganz Italien und Kontinentaleuropa exportiert und imitiert.
Es handelt sich hierbei vor allem um Faustkeile (des „Peschiera“-Typs) und um Schwerter, von denen einige im Flussbett des Sarca oder in der Nähe des Ledrosees gefunden worden sind. Sie wurden absichtlich in Flüsse geworfen, als wertvolle Geschenke an die Götter.
In der rechten Vitrine hingegen werden Schmuckgegenstände aus Bronze gezeigt. Es handelt sich großteils um Nadeln und Fibeln, die aus San Giacomo di Riva bei Roncaglia stammen, wo im XI.-V. Jh. v. C. mit größter Wahrscheinlichkeit Brandopfer durchgeführt wurden. Dieser Kult setzt sich seit dem XIII. Jh. v. C. in den zentralen Ostalpen durch, um bis hin zur Römerzeit einen Fixpunkt im kulturellen und religiösen Leben der Bevölkerung darzustellen. Die betreffenden Gebiete befi nden sich häufi g auf Anhöhen, die weithin sichtbar sind. Geopfert werden Tiere, Feldfrüchte und Prestigegegenstände wie z. B. wertvolle Krüge, die für die großen Brandopfer erst zerschlagen, dann verbrannt werden. Auch schmuckvolle Objekte wie diejenigen in der Vitrine wurden geopfert.

Archeologia allestimento 1   Archäologische Fundgrube San Martino
Nun erreichen wir den Bereich der Ausstellung, der den Monte San Martino behandelt.
Dieser Fundort ist für den Übergang von rätischer Kultur zu voranschreitender Romanisierung äußerst bedeutsam. Er diente in der zweiten Hälfte der Eisenzeit (vor allem zwischen IV.
– III. Jh. und der Mitte des I. Jh. v. C.) als wichtige und viel besuchte Kultstätte und wurde zur Römerzeit sogar zu einem richtigen Heiligtum.
In den Vitrinen auf der rechten Seite sind Fragmente von kleinen Tassen und Krügen ausgestellt, deren Existenz es überhaupt erst ermöglicht, die Menschengruppen, die den Platz besuchten, kulturell einzuordnen.
Unter den zahlreichen wertvollen Funden befi nden sich auch Schriftstücke, die den Übergang von der rätischen Sprache und Schrift (als Beweise indigener Kultur auf Tonfragmenten) zur römischen (die lateinischen Inschriften auf den Ausstellungsobjekten) dokumentieren.
Was den vorrömischen Kult betrifft, weisen die Funde vor allem auf die Anbetung von Göttern der Fruchtbarkeit und von Schutzgöttern der Erde hin, denen landwirtschaftliche Produkte geopfert wurden.
Dieser Kult des Weiblichen lebt in den römischen Göttinnen weiter: Hier sehen wir eine bleierne Statuette der Gottesmutter mit Kind, Isis/Fortuna in Bronze sowie die beiden Figuren der Venus und der Minerva.


Der Bereich des Heiligen

Die folgende Sektion zeigt die Epigraphen des I. und II. Jh. n. C., die Zeugen von Identität und Frömmigkeit der Bewohner dieser Gegend sind.
Erwiesen ist der Kult um Jupiter und Juno, den Schutzgöttern des römischen Volkes.
Weiters werden Saturn, Diana und Silvanus angebetet, hinter denen sich vermutlich unbekannte indigene Gottheiten verbergen; ebenso verhält es sich mit Herkules, dem zum Gott erhobenen Held der Griechen.
Während Name und „Zuständigkeitsbereiche“ vieler Gottheiten von denen ihrer römischen Pendants ersetzt werden (man spricht vom Phänomen der Interpretatio), werden andere Swiederum in ihrer ursprünglichen Form beibehalten, lediglich mit romanisierten Namen. Letzteres ist der Fall bei Bergimo, dem in Brescia hoch verehrten Gott der keltisch-cenomanischen Volksschichten, sowie bei Medilavino, der möglicherweise Schutzgott des Wassers war und ausschließlich im Gebiet rund um den Ledrosee verehrt worden zu sein scheint.

Archeologia vasca romana 2   Die Römerzeit
Im dritten Saal angelangt betrachten wir die nach hellenistischem Vorbild angefertigte Marmorwanne (ausgehendes I. Jh. n. C.), deren herausragender künstlerischer Wert die wichtige Rolle des nördlichen Gardaseegebietes zur Zeit der Römer beweist. Römische Funde weisen darauf hin, dass diese Gegend eine der reichsten des Trentino gewesen sein muss.
Die kürzliche Entdeckung der Thermen (I. Jh. n. C.) im Zentrum Rivas lässt vermuten, dass die Wanne ursprünglich dort aufgestellt war und dass weiters ein römisches Wohngebiet am Nordufer des Gardasees lag.
Gehen wir über zu der Bevölkerung des unteren Sarca und zu den Veränderungen, die das Territorium unter den Römern erfährt. Die Hauptthemen hier sind die Zenturation, die Wohnorte (es gibt mindestens neun verschiedene Dörfer) und die vielen Nekropolen (über 25), aus denen die ausgestellten Grabdenkmäler und reichen Grabbeigaben stammen.

Die archäologische Sektion des Museums besitzt auch Funde neueren Datums, so z. B. die ausgestellten Grabbeigaben aus Spätantike und Mittelalteralter.
Was diese Epoche betrifft, ist unser Wissen auf die Bereiche Religion und Bestattung beschränkt, obwohl die Forschungen rund um San Cassiano einen grundlegenden Beitrag zum Studium dieser Zeitspanne darstellen.
Von besonderer Wichtigkeit sind in diesem Zusammenhang auch die neuesten Funde aus der Viale Dante, die teils aus einer Nekropole des I. Jh., teils aus einer viel späteren Kindernekropole (um 700) stammen. Letztere wurde neben einem Kultgebäude parallel zu einer von Wohnhäusern gesäumten, gepfl asterten Straße - in Ost-West-Richtung - angelegt.