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Nuovi sguardi gardesani. Edoardo Delille, Gabriele Galimberti, Paolo Woods
MAG Riva del Garda, Museo
Bis Sonntag 7. Januar 2018
Kuratorin Giovanna Calvenzi
Eröffnung: 30. Juni | 21 Uhr
+10

Paolo Woods, Spade d'ombra, 2017 (particolare)

Zehn Jahre nach der letzten Auftragserie mit Fotoarbeiten unter dem Ttel Sguardi Gardesani präsentiert das MAG ein neues, sich über mehrere Jahre erstreckendes Projekt, in dem sich ausgewählte Fotografen mit Aspekten der Landschaft rund um den Gardasee in ihrem gegenwärtigen Zustand auseinandergesetzt haben.
Mit den Arbeiten von Edoardo Delille, Gabriele Galimberti und Paolo Woods eröffnet das MAG gleichzeitig einen neuen Ausstellungsschwerpunkt, kuratiert von der Fotografiehistorikerin und Bildredakteurin Giovanna Calvenzi.

Die Beschäftigung mit der Thematik dieser drei Fotografen hat zu drei individuellen Ansätzen geführt, die auf unterschiedliche Weise von der Landschaft des Alto Garda erzählen und dabei spürbar vom persönlichen und beruflichen Hintergrund ihrer Schöpfer beeinflusst sind. Die Arbeiten von Delille, Galimberti und Woods sind Ikonografien der Natur- und Kulturlandschaft, die sie visuell ausloten und der sie dabei überraschende Aspekte abgewinnen. Über die so festgehalten Momente und Situationen eröffnen sich neue, ungeahnte Perspektiven.

“Alle drei Fotografen, die Arbeiten für Nuovi Sguardi Gardesani 2017 geschaffen haben, sind Teil des Kollektivs Riverboom. Die darstellenden Auseinandersetzung mit Landschaften und den Menschen, die sie bewohnen, ist den Künstlern nicht neu, sie haben alle in nahen und fernen Ländern mit dieser Thematik gearbeitet. Ihrem Blick wohnt Leichtigkeit inne, er ist manchmal entzaubernd, manchmal auch ironisch oder kontemplativ, ganz abhängig vom Ort, den spezifischen Umständen und ihren Zielsetzungen. Für dieses Projekt haben sie sich jedoch entschieden, nicht zusammenzuarbeiten, sondern  jeder hat  einen eigenen Zugang zum gestellten Thema gesucht.
Edoardo Delille hat den Gardasee und seine Besucher ins Zentrum seiner fotografischen Auseinandersetzung gestellt. Die Protagonisten dieser Arbeiten mit dem Titel Full Immersion sind darum auch die Badenden, die sich auch auf visuelle Experimente eingelassen haben. Im Mittelpunkt steht eben die “Immersion”: Die physische Erfahrung des Eintauchens, die Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Kontaktes mit dem Wasser.
Mit Vista Lago hat Gabriele Galimberti eine fast schon theatralische-bühnenhaft anmutende Versuchsaufstellung gewählt: Er besuchte mit Immobilienmaklern eine Reihe von Wohnungen, die derzeit Touristen feilgeboten werden und deren wichtigstes Merkaml eben jener Blick auf den See, die „Vista Lago“, sein soll, und möge das sichtbare Stück vom See auch noch so klein sein.
Paolo Woods wiederum hat in seiner Beschäftigung ein landläufiges Klischee der Region aufgegriffen, nämlich dass die Bewohner von Riva weder Sonnenaufgang noch Dämmerung zu sehen bekämen. Dazu hat er seine Aufnahmen der Landschaft aus der Höhe angefertig. Seine Faszination gilt den Spade d‘Ombra („Schwertern des Schattens”), die gleichzeitig  auch Titel seiner Serie sind. Diese messerscharfen Schatten unterteilen das sich dem Betrachter bietende Bild, zeichnen zwei Hintergrundebenen in die Landschaft ein: eine aus Licht und eine aus Schatten.
War die künstlerische Bildsprache der drei Fotografen in vergangenen Arbeiten noch vergleichsweise ähnlich und baute auf einem Dialog zwischen der Landschaft und ihrem Beobachter auf, so haben sie am Gardasee drei gänzlich verschiedene Formen der visuellen Erzählung gewählt. Die Bilder von Edoardo Delille konzentrieren sich auf den spannungsvollen Einzelmoment – Portraitarbeiten, die mit der Komplizenschaft zwischen Fotograf und Subjekt zu spielen verstehen. Gabriele Galimberti verwendet Techniken der Innenraumfotografie und schafft Situationen, in denen See und Immobilienmakler fast schon um die Hauptrolle zu wetteifern scheinen. Paolo Woods realisiert Bilder gemäß den Lehren der klassischen Landschaftsfotografie im großen Format. Details und scharfe Umrisse sind dabei aber in den von Schatten überlagerten Bereichen zu suchen - ein Schatten, der wahrlich wie ein Schwert in den Talgrund einschneidet.
Ihre Beiträge stiften uns neue und sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die Landschaft dieser Region zu lesen. Sie öffnen auch den Blick auf Details, die wir im Alltag nicht wahrnehmen und lehren uns eine humorvolle Sichtweise auf unsere Umgebung.”
Giovanna Calvenzi, 2017