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Alois Beer 1900-1910. Foto-Panoramen des Gardagebiets in den Sammlungen des Wiener Kriegsarchivs
MAG Riva del Garda, Museo
Bis Sonntag 3. November 2013
Kurator Alberto Prandi
Weitergeführt wird das vom MAG im Lauf der Jahre vorangetriebene Projekt rund um die historische Fotografie im Gardagebiet und in Tirol.
Nach den vorherigen Ausstellungen, die Alessandro Oppi und den Lotze gewidmet waren, findet am 13. April 2012 in den Räumlichkeiten des Museums in Riva del Garda die Vernissage der Ausstellung "Alois Beer statt. 1900 bis 1910 Foto-Panoramen des Gardagebiets aus den Sammlungen des Wiener Kriegsarchivs". Diese setzt die vorangegangenen Ausstellungen, die Alessandro Oppi und den Lotze gewidmet waren, fort.
Abgesehen von der Organisation der Ausstellung wollte das MAG sein Fotoarchiv mit einem Alois Beer gewidmeten Bestand bereichern. Dieser besteht aus 350 digitalisierten Bildern aus dem Wiener Kriegsarchiv, zu denen sich 80 Vintage-Drucke gesellen. Der Beer-Bestand des MAG wird Gegenstand eines Katalogs sein, der die Werke auflistet und sie historisch einordnet. Die Veröffentlichung ist für Juni 2013 geplant.
Mit der Alois-Beer-Sammlung im Museum in Riva del Garda gewinnt das Fotoarchiv des MAG Museo Alto Garda stark an Bedeutung, was sowohl auf die beträchtliche Zahl der erworbenen Bilder als auch auf deren Qualität zurückzuführen ist.
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Alois Beer, Gardone Riviera - Grand Hotel Promenade, Mag Museo Alto Garda, © Österreichisches Staatsarchiv

Diese Ausstellung enthüllt nach mehr als einem Jahrhundert zum ersten Mal einen echten Schatz: die außergewöhnliche fotografische Erhebung des Gardasees durch Alois Beer (1840–1916), die knapp über ein Jahrhundert nach ihrem Entstehen das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Die noch nie gezeigte Reihe von Fotonegativen blieb all die Jahre in den Sammlungen des Wiener Kriegsarchivs verwahrt und geschützt.
Die Bilder wurden in den ersten Jahren des 20. Jh.s aufgenommen, und bis heute ist diese Reihe die größte bekannte systematische Bilddokumentation des Gardagebiets, die ein Fotograf im Alleingang realisierte.
Alois Beer. 1900 bis 1910 Kurator der Ausstellung Foto-Panoramen des Gardagebiets in den Sammlungen des Wiener Kriegsarchivs ist Alberto Prandi. Die Ausstellung findet im Museum in Riva di Garda vom 14. April bis zum 3. November statt. Der vom MAG Museo Alto Garda veranstaltete Event repräsentiert die Weiterführung des im Lauf der Jahre vom selben Museum vorangetriebenen Projekts rund um die historische Fotografie im Gardagebiet und in Tirol.
Alois Beer nahm die 350 Bilder im Lauf einer seiner Fotoreisen auf, die dazu dienten, den reichhaltigen Fotokatalog für das österreichisch-ungarische Publikum aufzustocken. Als der Kärntner Fotograf am Gardasee angelangte, genoss er bereits seit einiger Zeit großen Ruhm. Sein Studio in Klagenfurt galt als eines der renommiertesten der damaligen Zeit, und die Sammlungen an Landschafts- oder Stadtbildveduten wiesen eine Vielfalt von Sujets auf, die abgesehen von den wichtigsten Stätten des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs auch Bilder von italienischen, französischen, belgischen, spanischen, griechischen, ägyptischen, palästinensischen, türkischen, syrischen und nordafrikanischen Orten und Gebieten darstellten.
Mit seinen Landschaftsveduten des Gardagebiets scheint Alois Beer uns das Erstaunen vermitteln zu wollen, das Goethe beim Anblick des Sees empfand. Ebenso scheint er dasselbe Bedürfnis der empathischen Teilnahme am beeindruckenden Naturschauspiel zu äußern, wie es in der Romantik üblich war. Zurzeit dieser Fotokampagne über das Gardagebiet gingen auf Beers Konto schon zahlreiche Reisen, aber die Erfahrung und der vertraute Umgang mit so unterschiedlichen Ländern und Menschen hatten weder Beers Neugierde, die seinen Blick führte, beeinträchtigt, noch seine Fähigkeit, die Landschafts- und Umweltaspekte des Gardagebiets auf absolut individuelle und originelle Weise fotografisch darzustellen und die atmosphärischen Effekte, die perspektivischen Abstufungen, die Kontraste zwischen den Elementen zu betonen, ohne sich wie ein Maler Modulationen zu bedienen, die damals so angesagt waren.

Alois Beer
Alois Beer entstammte einer Kärntner Familie und wurde in Budapest geboren. Im Alter von 23 Jahren eröffnete er sein eigenes Fotostudio in Wien und kurz darauf eine Filiale in Klagenfurt. Beer zog nach Klagenfurt und überließ sein Wiener Studio seinem Sozius Ferdinand Mayer, mit dem er anschließend eine weitere Filiale in Graz eröffnete. Seine Ateliers wurden von Leuten besucht, die sich von ihm porträtieren lassen wollten, daneben wuchs sein Engagement an der Fotografie außerhalb des Ateliers. Beer wurde mit Dokumentationsfotoreportagen beispielsweise über die neuen Eisenbahnlinien des Kaiserreichs beauftragt, und 1882 erhielt er den Titel „Kaiserlich und Königlicher Hofphotograph“, zu dem sich später der Titel „Photograph der Kaiserlich und Königlichen Marine“ gesellte.
Entscheidend war insbesondere das Jahr 1879: Beer veröffentlichte eine Reportage über die Schäden, die eine Lawine den Kärntner Bürgern in Bleiberg und Hüttendorf zugefügt hatte. Wenige Monate später wurde er mit der Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet und erregte somit die Aufmerksamkeit der nationalen Szene.
In dieser Zeit begann er, sein fotografisches Repertoire außerhalb von Kärnten auszudehnen. 1885 unternahm Beer seine erste wichtige Reise – nach Griechenland. Dieser folgten Reisen nach Palästina und Ägypten, Nordafrika, in die Türkei, nach Syrien, Frankreich, Belgien, Spanien und Italien sowie kürzere Reisen in die verschiedenen Regionen des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Der Bilderkatalog seines Ateliers umfasste schließlich 20.000 Landschaftsbilder, eine ungeheure Menge für die damalige Zeit. Diese Bilder verkaufte er dank eines Korrespondentennetzwerks in ganz Europa.
Der Alois-Beer-Fotobestand, der im Wiener Kriegsarchiv aufbewahrt wird, umfasst die über 30.000 dem Fotograf gehörenden Fotoplatten, die in seinem 1910 herausgegebenen und 1914 ergänzten Verkaufskatalog gelistet waren.